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Das Dilemma der Bauherren

Sechs Thesen zur Anwendung der BIM-Methode

 

Gruner AG
Andreas Wirz, CDO
Andreas Wirz

In den Diskussionen rund um BIM stellt sich immer wieder die Frage nach der Rolle des Bauherrn und der Effizienz der Methode. Gefragt wird ebenfalls, was definiert werden soll und natürlich auch, welche Mehrleistung die BIM-Methode bringt.

Im Allgemeinen sprechen Argumente wie Effizienzsteigerung, Transparenz, Prozessoptimierung für die BIM-Methode. Aber stimmen sie und sind diese nicht bereits in den Basisleistungen abgegolten?

Nachfolgend eine Auslegeordnung mit sechs Thesen zur Anwendungen der BIM-Methode. Strukturiert sind diese nach den Dimensionen des Digitalen Bauens.

These 1:
Anforderungen

Das Festlegen von digitalen Anforderungen führt zu klaren Prozessabläufen und mehr Transparenz.

Fakten: Heute werden in einem Projekt diverseste Nutzungs-Vereinbarungen in Textdokumenten und Raumtabellen in Tabellen-Kalkulations-Systemen erstellt. Sie auf dem aktuellen Stand zu halten, stellt in jedem Planerteam eine logistische Herausforderung dar. Heute stehen Online-Plattformen zur Verfügung, auf denen jeweils Raum, Zone oder System-Anforderungen erfasst werden. Diese sind meist direkt mit den Räumen im Modell verbunden. Wie weitgehend die Informationen eingepflegt werden sollen, kann pro Projekt definiert werden. Für den Bauherrn stellen diese Grundlagen eine wichtige Informationsquelle dar, sowohl während der Erstellung als auch im Betrieb. Die elektronisch lesbare Form ermöglicht auch eine automatische Prüfung der Modelle mit den Anforderungen.

Rolle Bauherr: In einem ersten Schritt steht die Forderung an das Planerteam nach einer zentralen Datenbank, basierend auf einem fachübergreifenden Raumbuch, das alle Nutzungsanforderungen enthält. Den Betrieb und die Administration kann das Planerteam übernehmen. Solche Plattformen sind kostenpflichtig und dem Beauftragten zu entschädigen. Der Mehrwert für Bau und Betrieb einer solchen Datenbasis wiegt die Kosten mehr als auf.

Thesen 2 und 3:
Transparenz und Entscheidungshilfe

Die Modellierung in 3D anstelle der 2D-Planung ergibt für den Bauherrn eine erhöhte Transparenz der räumlichen Zusammenhänge. Diese können rasch und einfach erfasst werden, wodurch sich Entscheidungen schneller und fundierter treffen lassen.

Fakten: Auf Seite des Planers steht der Aufwand, die 3D-Modellierung zu erlernen, was einige Projekte bedingt, bis der Prozess einen guten Effizienz-Level aufweist. Die Anwendung von 3D ist in der Planerbranche seit Jahren etabliert und wird verbreitet angewendet. Neu ist vor allem, dass das ganze Projekt in 3D erstellt und ausgetauscht wird. Weiter bedingt die Aufarbeitung von technischen oder fotorealistischen Bildern einigen Aufwand. Die Kommunikation über neue Technologien wie Virtual Reality als auch Augmented Reality sind weitere Hilfsmittel und können für ausgewählte Fragestellungen eine Entscheidungshilfe sein. Einfache technische Visualisierungen könne heute aus jedem besseren Modellierungs-Tool ausgegeben werden.

Die Logik gilt für Bestandes- als auch für Neubauten. Bei Bestand hat vorgängig eine Scan-Aufnahme zu erfolgen, woraus ein Basismodell erstellt werden muss. Diese Aufwendungen gelten als gesonderte Leistungen.

Rolle Bauherr: Die Forderung nach Planung in 3D bedingt, dass das Planerteam ein 3D-Modell bereitstellt, welches sowohl für räumliche Entscheidungsfindung als auch für die visuelle Kommunikation mit anderen Stakeholdern angewendet werden kann. Werden fotorealistische Darstellungen gewünscht, ist das zu definieren und entsprechend zu vergüten. Weiter hat der Bauherr bei Mehrparteien-Teams sicherzustellen, dass alle Teammitglieder die 3D-Planung beherrschen.
 

These 4:
Termine

Die Terminplanung am Modell ermöglicht eine Effizienzsteigerung, d.h. kürzere Bauzeit und dadurch weniger Kosten.

Fakten: Die Terminplanung wird heute meist in Tabellenkalkulations-Tools erstellt. Die Qualität ist abhängig vom Bauleiter, der sie erstellt. Besteht ein Modell, welches in Elementen aufgebaut ist, die dem Bauablauf entsprechen, kann ohne viel Aufwand eine technische Visualisierung des Bauablaufs erfolgen. Diese kann sehr gut in einfacher Verständlichkeit zur Bauausführung genutzt werden.

Bei logistisch und terminlich herausfordernden Projekten macht eine Visualisierung der Bauabläufe und dann eine interdisziplinäre Optimierung zwischen Planern und Ausführenden Sinn. Dieser Prozess fordert in der Planung mehr Zeit, kann aber die Effizienz steigern und Fehler vermeiden helfen.

Rolle Bauherr: Beauftragt der Bauherr die Planung getrennt von der Ausführung, hat er eine visuell unterstützte Terminplanung bei den Planern einzufordern. Das gleiche gilt bei TU- oder GU-Mandaten.

These 5:
Kosten, Mengen, Massen

Leistungsverzeichnisse aus Modellen erhöhen die Transparenz.

Fakten: Das Ausziehen ((?)) Extrahieren von Mengen und Massen aus Modellen ist grundsätzlich einfach, wenn das Modell entsprechend der Kostenlogik aufgebaut ist und die Software es erlaubt. Eine gezielte Nutzung dieser Möglichkeit kann kostspielige Ausmasse verhindern. Pflicht ist aber, die Daten im Modell in der Ausführung immer à jour zu halten.

Rolle Bauherr: Wird Planung und Ausführung getrennt beauftragt, hat der Bauherr nach der Ausführung den Nutzen in einem genauen Ausmass. Dieser wird von keiner Seite hinterfragt. Bei TU- oder GU-Mandaten ist es weniger sinnvoll, eine Kostenkontrolle auf diesem Niveau auszuführen.
 

These 6:
Simulation und Berechnungen

Beim direkten Abgleich der Modelle zu Berechnungen oder Simulationen können bessere Resultate erzielt werden.

Fakten: Heutige Simulations-Berechnungen ermöglichen es, ganze Gebäude und Anlagen zu simulieren. Eventuell resultiert eine Vielzahl von Berechnungs-Varianten, um das Optimum zu finden. In der ganz grossen Mehrheit der Fälle dient das Modell als Referenz. Doch wird ein zusätzliches Berechnungs-Modell erstellt, das bei Änderungen einfach mit dem neuen Referenz-Modell abgestimmt werden kann. Es ergibt sich ein Ertrag in der Zusammenarbeit.

Rolle Bauherr: Sollte eine Aufgabenstellung durch soziale oder technische Einflussfaktoren eine umfassenden Varianten-Studie bedingen, ist es sinnvoll, ein Abgleich-Modell zur Berechnung zu fordern. 

Fazit

Ja, ein Bauherr hat sich mit dem Thema BIM zu beschäftigen.

Er kann sich aber auf die Grundanforderungen beschränken und die detaillierten Regelungen dem Planerteam oder einem BIM-Manager überlassen.