Sie sind hier

BIM definiert das Recht nicht neu

Die Definition der Grundsätze ist aber wichtig 

 

Gruner AG
Andreas Wirz, CDO
Andreas Wirz

Mit der digitalen Entwicklung und der Einführung von BIM stellen sich zum Teil auch neue oder veränderte rechtliche Fragen. Zurzeit bestehen keine gesetzlichen Regelungen, welche die Anwendung der BIM-Methode betreffen.

Eine Modalität der Vertragsabwicklung
Die BIM-Methode kann in jedem Vertrag als eine Modalität der Vertragsabwicklung und -erfüllung vereinbart werden. Im Vertragsdokument sind Ziele, Mittel, Prozesse, Aufgabenverteilung, der Datenaustausch der gewählten BIM-Methode sowie die Nutzungsrechte festzulegen. Für die Definition der BIM-Aspekte kann der Auftraggeber die Anforderungen an den Vertrag selber definieren. Oder er beauftragt einen BIM-Manager bzw. BIM-Verantwortlichen, welcher einen einheitlichen Vertragszusatz aufsetzt.
BIM-Regelungen als Vertragsbestandteil können grundsätzlich nur in gegenseitigem Einverständnis der Parteien festgesetzt und gegebenenfalls später abgeändert werden.

Was ändert sich für den Auftraggeber?

Ein Auftraggeber kann wie bisher mit allen am Bau beteiligten Planern und Unternehmern Einzelplaner- und Einzelwerkverträge abschliessen. Darin werden auch die BIM-relevanten Aspekte geregelt. Bei dieser Konstellation muss der Auftraggeber sicherstellen, dass die BIM-spezifischen Regelungen in allen Verträgen gleich und widerspruchsfrei formuliert sind.

Was muss man bei Projektallianzen berücksichtigen?
Bei Projektallianzen bündeln alle am Bau Beteiligten ihre Kräfte, um das gemeinsame Projekt besser und effizienter zu realisieren. Namentlich sind das: Bauherrschaft, Planer und Unternehmer. Hierzu wird ein Vertrag zwischen allen Beteiligten geschlossen. In diesem Vertragsdokument sind auch die BIM-Aspekte, insbesondere die Ziele, Mittel, Prozesse, Aufgabenverteilung und der Datenaustausch der gewählten BIM-Methode sowie die Nutzungsrechte festzulegen.

Die Grundsätze im Überblick

Ein BIM-Projekt sollte jedoch nicht gestartet werden, wenn die Partner sich nicht auf die Grund-sätze einer modellbasierten Zusammenarbeit einigen können – ganz unabhängig von der Rechtssituation. Diese Grundsätze sind in den Grundzügen folgende:

  • Jeder am Projekt Beteiligte verpflichtet sich, die BIM-Methode einzuhalten und diese an seine Subplaner zu überbinden und für deren Einhaltung zu sorgen.
  • Für jedes BIM-Projekt wird ein BIM-Projektabwicklungsplan (BAP) erstellt. Der BAP definiert die Grundlagen der Zusammenarbeit und hat folgenden minimalen Inhalt:
  1. Ziele
  2. Organisation und Rollen
  3. Termine und Prozessabläufe
  4. Modelldefinition
  5. Modellaustausch
  6. Koordinationsprozess
  7. Prüfroutinen
  8. Datenaustauschplattformen
  9. Kostenverteilung für ICT-Umgebung
  • In einem BIM-Projekt sind die Rollen und Leistungen der BIM-Manager (BIM-Koordinatoren) zu definieren. Jeder Projektbeteiligte verpflichtet sich qualifizierte Personen einzusetzen.
  • Der Modellaufbau und -austausch erfolgt nach der im BAP definierten Logik und in der definierten Informationstiefe.
  • Die Zusammenarbeit ist organisiert – Modelle werden in klar definierten Zyklen ausgetauscht und alle verpflichten sich diese Abläufe einzuhalten.
  • Der Modellautor verantwortet sein Modell. Keine andere Partei verändert dieses.
  • Die Effizienzsteigerung durch den BIM-Prozess soll allen Beteiligten zugutekommen. Alle Parteien engagieren sich für dieses Ziel.

Fazit

BIM definiert das Vertrags- oder Zusammenarbeits-Recht nicht neu, aber die Grundsätze des Rechts sind – wie in jedem anderen Projekt – einzuhalten.